Alternative Kostformen im Vergleich
Unzählige Diäten wurden im Laufe der Zeit entwickelt, für Fachkräfte und Verbraucher ist es nicht immer ganz einfach die Übersicht zu behalten. Die zu beobachtende Entwicklung, hängt sicherlich mit einem veränderten Gesundheitsbewußtsein der Bevölkerung zusammen. Ohne fachliche Hilfestellung geht dieser Trend jedoch in die falsche Richtung, denn Verbraucher werden zunehmend verunsichert und selten durch Außenseiterdiäten zu selbständigem Handeln angeleitet. Im folgenden werde ich Ihnen eine kleine Auswahl von Diäten vorstellen, die zur Zeit im Trend liegen. Bei meinen Beurteilungen, stütze ich mich überwiegend auf Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und beziehe die Stellungnahmen anerkannter Ernährungswissenschaftler, wie Kasper, Kluthe, Wolfram und Biesalski, mit ein.
Bewertungskriterien
- Deckung des Bedarfs an essentiellen Nährstoffen
- Deckung des Energiebedarfs
- Eignung als Dauerkostform für gesunde Erwachsene
Während meiner Beratungstätigkeit in Krankenhäusern und Reha-Kliniken konnte ich immer wieder feststellen, wie schwierig es für Patienten ist, Ernährungsverhalten und -verhältnisse zu ändern. Hier liegt wohl auch das Geheimnis des Erfolges der Außenseiterkostformen, denn selbständiges Handeln zu erlernen ist nun einmal schwieriger, als Vorgaben nachzuahmen.
Allgemeines zu Außenseitern
Im ernährungswissenschaftlichen Bereich setzen sich Pseudoexperten und Experten immer häufiger öffentlich auseinander, und diskutieren die Frage was nun die richtige "Lehre" sei. Da auch Ernährungsfachkräfte widersprüchliche Meinungen vertreten, und dies oft sehr rigoros, ist die allgemeine Verunsicherung mehr als verständlich, die Schulmedizin ist dadurch nicht immer glaubwürdig. Widersprüchliche Meinungen sind für Wissenschaftler alltäglich, für Laien jedoch nicht zu verstehen.
Definition
Es gibt keine allgemeine Definition. Prof. Leitzmann beschreibt den Begriff wie folgt:
"Unter der Bezeichnung -Außenseiterdiäten- werden Kostformen mit sehr unterschiedlichem Nährstoffgehalt zusammengefaßt, die aus verschiedenen Gründen, z.B. medizinisch, ökologisch, kosmetisch, empfohlen werden. Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind diese Diäten sehr unterschiedlich zu bewerten, da sie eine breite Palette umfassen, die von soliden wissenschaftlichen über vertretbare, ungünstige, unsinnige bis zu gefährlichen Begründungen reichen."
Der Übergang von alternativen Kostformen zu Außenseiterdiäten ist fließend.
Kennzeichen der Außenseiterkostformen
- * Propagandisten verbreiten geschickt eine Heilslehre oder bestimmte Weltanschauung
- * Heilsversprechen sind oft unverantwortlich (Bsp.: Heilung von Diabetes, MS und Krebs), häufig wird dadurch die notwendige, medikamentöse Therapien vernachlässigt.
Eines muß ich jedoch immer wieder anerkennend feststellen: Pseudoexperten können sich und ihre Lehren oft besser publizieren als Experten.
Außenseiterdiäten werden in vier Gruppen eingeteilt
- Gruppe I: Diäten auf vegetabiler oder ovo-lacto-vegetabiler Basis
Bircher-Benner-Kost
Bruker VollwertkostSchnitzer-Normalkost / Schnitzer-Intensivkost
Makrobiotik - Gruppe II: Trennkost-Diäten
Hay'sche Trennkost
Fit for Life - Gruppe III: Eiweiß- und fettreiche Diäten
Atkins-Diät
Punkte-Diät - Gruppe IV: Kohlenhydratreiche Diäten
Kartoffel-Diät
Bircher-Benner-Kost (Gruppe I)
- Ziele, Philosophie: Mobilisierung der Selbstheilungskräfte
- Heilnahrung
- Anregung der Darmfunktion
- Pflanzliche Frischkost als Träger hohen Sonnenenergiegehaltes
Inhalte:
- Mind. 50% der Nahrung als Rohkost verzehren
- Lacto-vegetabile-Kostform
- Drei Mahlzeiten / Tag: eine Hauptmahlzeit, zwei Zwischenmahlzeiten
- Gemieden werden soll: Fleisch, Eier, Auszugsmehle, raffinierter Zucker,
- Genußmittel
Beurteilung:
- Als mögliche Dauerkostform für gesunde Erwachsene geeignet
- Prävention von Hyperlipidämie, Hyperuriekämie möglich
- Risikogruppen: Schwangere, Stillende, Kleinkinder
- Versorgungsengpässe können bei Jod und Eisen auftreten
Bruker Vitalstoffreiche Vollwertkost
Ziele, Philosophie:
- Prävention und Heilung von Zivilisationskrankheiten
- Stärkung der Abwehrkräfte
- "Unsere Nahrung - unser Schicksal", Bruker Schrift ist gleichzeitig Programm
Inhalte:
- "Lebendige" Lebensmittel (LM) werden von "toten" Lebensmitteln abgegrenzt
Lebendige LM = rohes Obst, Gemüse, Getreide, rohe Milch, Butter, - kalt gepreßte Öle
- Tote LM = Auszugsmehle, raffinierter Zucker, verarbeitete oder konservierte
- Produkte
- Überwiegend ovo-lacto-vegetabil
- Lebensmittel aus kontrolliertem biologischen Anbau
- Behauptungen von Bruker sind oft ohne wissenschaftliche Grundlage
Unterscheidung zwischen Lebensmitteln und Nahrungsmitteln:
- H-Milch ist gesundheitsschädlich
- Fett macht nicht fett
- Arteriosklerose ist kein Fettproblem
- Eier eher roh verzehren als gekocht
- Drei Eßlöffel Frischkornbrei tägl. verhindern Entstehung von
- Zivilisationserkrankungen
Beurteilung:
- Vertritt die Meinung Diabetes und Rheuma heilen zu können, dies führt zu
- einem großen Risiko
- Als Dauerkostform für gesunde Erwachsene geeignet
- Veröffentlichungen sind Halbwahrheiten und verunsichern Betroffene
- (Bsp.: Cholesterin braucht der Mensch)
Schnitzer-Normalkost / Schnitzer-Intensivkost
- Ziele, Philosophie: Intensivkost als Heilmittel für Rheuma, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankung
- Mensch ist auf Grund seines Gebisses ein Fruchtfresser
- (Schnitzer ist Zahnarzt)
- Verspricht durch seine Kost: Lebensfreude, gesunde Kinder, Glück,
- Zufriedenheit, Schönheit, Sympathie
Inhalte:
- Unterschied zwischen Intensivkost und Normalkost
- Intensivkost = 1500 kcal täglich, ausschließlich vegetarische Rohkost
- Normalkost = Intensivkost wird erweitert durch Milchprodukte und Eier.
- Gemieden werden sollen alle behandelten LM.
- Genußmittel verboten
Bewertung:
- Von Intensivkost ist abzuraten, zu einseitig, nicht vollwertig, führt zu Mangelernährung
- Normalkost ist eine ovo-lacto-vegetabile Kost und somit geeignet für gesunde Erwachsene
Makrobiotik
Ziele, Philosophie:
- Teil einer Weltanschauung (Zen-Buddhismus)
- Makrobiotik = Kunst und Technik ein langes und inhaltsreiches Leben zu führen
- Prinzip von Yin und Yang (Gegensätze von aktiv u. passiv, Tag u. Nacht,
- weiblich u. männlich
- Alle Krankheiten, einschließlich Krebs, sollen verhindert werden können.
Inhalte:
- Lebensmittel werden nach Yin und Yang Anteil unterschieden
- Yin = Polierter Reis, Auszugsmehle, Tomaten, Kartoffeln, Milch, Sahne
- Yang = Salz, Eier, Fleisch Geflügel, Fisch
- Verhältnis Yin : Yang = 5 : 1
- Lebensmittel aus kontrolliertem biologischen Anbau werden bevorzug
- Lebensmittel nur aus den gleichen Klimazonen verwenden
- 50% Getreideprodukte, Vollkorn da hier optimales Verhältnis von Yin u. Yang
- Getrunken werden sollte nur soviel wie Durst verlangt (gefährlich)
- Wird in 10 Ernährungsstufen eingeteilt
Beurteilung:
- Als Dauerkostform auf keinen Fall zu empfehlen
- Strenge Form führte in USA bereits zu Todesfällen
Hay'sche Trennkost (Gruppe II)
Ziele, Philosophie:
- Wohlbefinden, Heilung vieler Krankheiten (Nierenerkrankungen, Diabetes, Krebs, Kröpfe aller Art, Gewichtsreduktion)
- Vermeidung von Übersäuerung des Organismus
- Theorie: Eiweiße werden im sauren Milieu aufgespalten,
- Kohlenhydrate im alkalischen (deshalb nie zur gleichen Zeit verzehren)
Inhalte:
- Einteilung der LM in: eiweißreich, kohlenhydratreiche, neutrale
- Verboten: Auszugsmehle, raffinierter Zucker, polierter Reis
- Gleichzeitige Aufnahme von Eiweiß und Kohlenhydrat führt zu
- Übersäuerung des Körpers.
Beurteilung:
- Hays Theorien sind inzwischen eindeutig widerlegt
- Als Dauerkostform möglich, denn Rezepturen sind ballaststoffreich, fett- und fleischarm, jedoch werden Milchprodukte vernachlässigt, da diese ja zu den säureüberschüssigen Lebensmitteln zählen.
- Einteilung der LM wird nicht konsequent durchgeführt
Bsp.: Getreideprodukte (vor allem Vollkornprodukte) enthalten sowohl Kohlenhydrate wie auch Eiweiß. - Biologische Wertigkeit von eiweißhaltigen LM wird nicht berücksichtigt
Fit for Life
Ziele, Philosophie:
- Schlankheit und Schönheit
- Theorie der Körperzyklen
12.00 - 20.00 Uhr (Essen und Aufschließung der Nahrung)
20.00 - 04.00 Uhr (Nahrungsausnutzung)
04.00 - 12.00 Uhr (Ausscheidung) - Eßgewohnheiten an Körperzyklen anpassen
- Ausscheidungsphase nicht stören, damit Schlacken entfernt werden können
Inhalte:
- Basiert auf der Hay'schen Trennkost
- Obst ist das wichtigste Nahrungsmittel
- Durstlöscher: nur destilliertes Wasser
- Milch und Milchprodukte werden abgelehnt
Beurteilung:
- Diese Kost ist grundlegend abzulehnen, führt zu Mangelerscheinungen
- Die pseudowissenschaftlichen Behauptungen sind sehr zahlreich und können hier nicht alle erläutert werden. Empfehlung: Lesen Sie doch einfach einmal eine Veröffentlichung von Herrn Diamond, es ist wirklich amüsant.
Atkins-Diät (Gruppe III)
Ziele, Philosophie:
- Gewichtsreduktion
- Motto: "Nach Herzenslust" drauflosessen
- Kohlenhydratzufuhr ist Ursache für Fettsucht
- Theorie: Entstehung einer Ketose vorteilhaft um das Hungergefühl zu dämpfen
Inhalte:
- kohlenhydratarm, fett- und eiweißreich
- Bsp.: verboten: Kartoffeln, Nudeln, Reis, Vollkornprodukte
- erlaubt: fettes Fleisch, Eier, Fisch, Speck, fetter Käse
- Keine Beschränkung der Kalorienzufuhr
- Bestandteil ist die Zufuhr von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten
Beurteilung:
- Rigoros abzulehnen, da extreme Nährstoffrelation
- Führt zu Mangel- und Fehlernährung
- Risiko: Purin- und Fettzufuhr sind sehr hoch
Punkte-Diät
Ziele, Philosophie:
- Gewichtsreduktion
- Lebensmittel (LM) werden rein nach Kohlenhydratgehalt beurteilt,je höher der Kohlenhydratanteil, desto höher ist die Punktzahl eines LM.
Inhalt:
- Möglichst geringe Punktzahl am Tag erreichen
- keine Kalorienbeschränkung
Beurteilung:
- Wie bei Atkins-Diät auch, zu extreme Nährstoffrelation
- Ernährungsabhängige Erkrankungen wie Hyperuriekämie, Hyper-
- lipidämie und Arteriosklerose werden begünstigt
- Führt zu Mangelernährung
Kartoffel-Diät (Gruppe IV)
Ziel:
- überwiegend zur Gewichtsreduktion
Die Kartoffel - Diät wird hier als Beispiel für zahlreiche einseitige Ernährungsformen beschrieben. Veröffentlicht wurden darüber hinaus: Reisdiät, Brotdiät, Kuchendiät und weitere.
Die Lebensmittelauswahl ist in der Regel weitgehend auf das entsprechende Nahrungsmittel beschränkt, in diesem Fall die Kartoffel.
Beurteilung:
- Häufig sehr einseitig, dadurch nicht empfehlenswert
- Gewichtsreduktion wird meistens erreicht, da Kalorienzufuhr sehr gering ist
- Ernährungsverhalten wird nicht auf Dauer geändert, und dies ist eines der
- wichtigsten Kriterien für Reduktionskostformen.
Verfasser: Ester Pauly, Diätassistentin (EB/DGE)
